Aus den Lautsprechern in der Sporthalle am Peperdieksberg dröhnte „Thriller“ von Michael Jackson. Passender hätte die Auszeitmusik für den Krimi, der sich da auf dem Feld abspielte, nicht sein können. In der Zwischenrunde zur Deutschen Meisterschaft im Basketball U14 kämpften der TUS Lichterfelde und die Hittfeld Sharks verbissen um jeden Ball. Schon weit über zwei Stunden hatten dies
e beiden Ausnahmeteams alles aus sich herausgeholt und alle Viertel (16:16, 33:36, 54:57) auf Augenhöhe gespielt bis zum 73:73 Endstand nach dem vierten Viertel. Die Berliner starteten etwas besser in die Verlängerung und führten zwei Sekunden vor Schluss mit 82:83 bei Angriff der Sharks, den sie nur durch Foul gestoppt bekamen. Shark Till Tegeler verwandelte den ersten Freiwurf sicher zum Ausgleich, der zweite traf nur das Brett. Es ging in die zweite Verlängerung, in der, der bis dato Reboundstärkste Shark Joschua Simon rausgefoult auf der Bank zusehen musste, wie Kapitän Marco Koeppe trotz starker Knieschmerzen, unermüdlich kämpfte, um die eigene Zone in der Verteidigung dicht zu machen. Ein unglaublicher Siegeswillen war bei jedem Hittfelder, egal ob auf der Bank oder auf dem Feld zu sehen, auch, als sie erneut Sekunden vor Schluss mit 91:92 in Rückstand in Ballverlust gerieten. Der abschließende Angriff der Lichterfelder war nicht zu stoppen und denkbar knapp verloren die Sharks nach rekordverdächtigen 2 ¾ Stunden mit 94-91. Diese letzten Sekunden sollten Turnier entscheidend sein. Mit einem Sieg hätten die Sharks, die am Vortag mit 80:64 gegen Paderborn Baskets gewonnen hatten, das Ticket für das TOP4 um die Deutsche Meisterschaft sicher gehabt, zumal Lichterfelde mit 64:65 gegen Köln 99ers verloren hatte. Mit zwei Siegen und Lichterfelde zwei Niederlagen wären die Sharks „durch“ gewesen. Hätte wäre wenn…. .
„Das Spiel gegen Lichterfelde war das Beste, was wir je gemacht haben, ich hatte so viel Spaß an Basketball wie lange nicht mehr,“ sagte Kapitän Marco Koeppe nach dieser tragischen Niederlage. Nun konnte nur noch ein Sieg mit mindestens drei Punkten Vorsprung gegen die bislang ungeschlagenen Köln 99ers die Hittfelder doch noch ins Endrundenturnier bringen. Nur zwei Stunden hatte Coach Lars Mittwollen Zeit, um seine körperlich total erschöpften und mental geschockten Haie auf dieses Endscheidungsspiel vorzubereiten. Doch schon nach dem ersten Viertel wurde deutlich, dass die Sharks den Lichterfelde Krimi nicht so schnell aus den Knochen und dem Kopf bekommen konnten und der unglaublichen Härte der Kölner gerade im ersten Viertel an dem Nachmittag nichts entgegensetzen konnten. Nach 10 Minuten lagen sie bereits 14:30 zurück. Die Kölner standen wie ein Bollwerk in der eigenen Zone und ließen den Hittfelder keinen Millimeter Raum für ihr Angriffsspiel. Drei erfolgreich verwandelte Dreipunktewürfe hatten dann schnell zu diesem Vorsprung geführt, dem die Sharks nur noch hinterherlaufen konnten. Bemerkenswert war jedoch, dass auch, trotz des enormen Rückstandes, sie keine Sekunde aufsteckten und jeder Spieler, der auf dem Feld war, das Letzte aus sich herausspielte. „Meine Jungs haben nie aufgehört an sich zu glauben und in jeder Phase gezeigt, dass sie mit Freude diesen Sport spielen können,“ sagte Lars Mittwollen. So kam es, dass die Haie das zweite und dritte Viertel nur mit jeweils vier Punkten abgaben. Im letzten Viertel bissen sie noch mal alle Zähne zusammen, Jonas Darboven gelangen noch zwei Dreipunktewürfe und dieses Viertel konnten sie mit 17:14 sogar gewinnen, was aber am Endstand von 55:76 nur noch Kosmetik war. Der Zug zum TOP4 war damit endgültig abgefahren und die Saison für die Sharks tränenreich zu Ende. „Es ist ärgerlich, dass wir das Lichterfeldespiel verloren haben, aber wir haben nie den Kopf hängen lassen und viel daraus gelernt für die Zukunft,“ zog Shark Joschua Simon seine persönliche Bilanz. Auch Trainer Lars Mittwollen war alles anderes als enttäuscht: „Ich habe noch nie eine Mannschaft gehabt, die so füreinander eingestanden ist. Das wird ihnen immer bleiben. Sportlich gehören sie zu den besten acht Mannschaften Deutschlands“. Und für sein Team hatte er in der Abschlussbesprechung noch eine ganz besondere Botschaft: „ Wir sind traurig, aber das Aufstehen ist wichtig. Ich habt Euch heute an nur einem Tag über Jahre entwickelt als Typen und damit viel fürs Leben gelernt. Seid stolz auf Euch!“
